Dekanatsjahrestag – Kirche & Arbeit

Kirche und Arbeitswelt gemeinsam im Dienst am Menschen

Die Würde des Menschen und die Würde der Arbeit standen im Mittelpunkt des diesjährigen Dekanatsjahrestags des Dekanats Schwandorf, der in Klardorf stattfand. Seelsorgerinnen und Seelsorger aus dem gesamten Dekanat sowie zahlreiche Gläubige kamen zusammen, um sich mit den Herausforderungen der Arbeitswelt auseinanderzusetzen, aktuelle Entwicklungen im kirchlichen Leben zu beraten und Gemeinschaft im Glauben zu erleben.

Der erste Teil des Dekanatsjahrestags war der Dekanatskonferenz vorbehalten. Daran nahmen die Pfarrer, Pfarrvikare, Kapläne sowie die pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Dekanats Schwandorf teil. Neben Informationen aus dem Bistum und pastoralen Themen stand in diesem Jahr besonders die Betriebsseelsorge im Mittelpunkt.

Arbeit als Teilhabe an Gottes Schöpfungskraft

Den inhaltlichen Schwerpunkt bildete ein Impulsreferat von Christine Schmid, Betriebsseelsorgerin des Bistums Regensburg. Sie stellte die Entwicklung der katholischen Soziallehre vor und verdeutlichte deren bleibende Bedeutung für die heutige Arbeitswelt.

Ausgangspunkt ihrer Ausführungen war die Würde des Menschen und die Würde menschlicher Arbeit. Arbeit sei weit mehr als Broterwerb oder wirtschaftliche Leistung. Sie ermögliche dem Menschen, seine Fähigkeiten einzubringen, Verantwortung zu übernehmen und an der Schöpfung Gottes mitzuwirken. Durch seine Arbeit habe der Mensch Anteil an der schöpferischen Kraft Gottes und gestalte die Welt mit.

Christine Schmid erläuterte die Entwicklung der katholischen Soziallehre, die insbesondere durch die Sozialenzyklika Rerum Novarum von Papst Leo XIII. aus dem Jahr 1891 geprägt wurde. Bis heute orientiert sie sich an den vier grundlegenden Prinzipien Personalität, Gemeinwohl, Solidarität und Subsidiarität. Diese machen deutlich, dass der Mensch mit seiner unveräußerlichen Würde im Mittelpunkt stehen muss, dass gesellschaftliches und wirtschaftliches Handeln dem Wohl aller dienen soll, dass Menschen füreinander Verantwortung tragen und dass Aufgaben möglichst dort wahrgenommen werden sollen, wo sie eigenständig und verantwortlich erfüllt werden können.

Podiumsdiskussion: Gemeinsam Verantwortung für Menschen übernehmen

Im Anschluss folgte eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion, die den Blick auf die konkrete Situation der Arbeitswelt in der Region richtete. Auf dem Podium diskutierten Inge Frank, Betriebsratsvorsitzende der EMZ-Hanauer GmbH & Co. KGaA in Nabburg, Tom Hiltl, ehemaliger Betriebsratsvorsitzender der Krones AG, Werk Nittenau, sowie ehemaliger stellvertretender DGB-Kreisvorsitzender Schwandorf, Andreas Sander, Betriebsratsvorsitzender der Nabaltec AG Schwandorf, und Alexander Gröbner, Bezirksgeschäftsführer des ver.di-Bezirks Oberpfalz in Regensburg.

Inge Frank schilderte eindrucksvoll, wie belastend Situationen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie für Betriebsratsmitglieder werden, wenn Unternehmen Arbeitsplätze abbauen. Hinter jedem Arbeitsplatz stehe ein Mensch mit seiner persönlichen Geschichte, seinen Hoffnungen und seinem Lebensweg. Wenn Arbeitsplätze verloren gehen, würden oftmals ganze Lebenswerke erschüttert. Deshalb brauche es in solchen Situationen nicht nur rechtliche oder finanzielle Unterstützung, sondern auch menschliche Begleitung und Hilfe für die seelischen Belastungen der Betroffenen.

Andreas Sander gab Einblicke in die vielfältigen Aufgaben eines Betriebsrats. Diese bestünden nicht nur aus Sitzungen und Verhandlungen, sondern vor allem aus der täglichen Begleitung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit ihren Anliegen, Sorgen und Herausforderungen. Er betonte, dass diese Aufgabe weit über eine gewöhnliche Arbeitszeit hinausgehe: „Diese Aufgabe ist kein 8-Stunden-Job. Wie bei den Pfarrern können mich meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rund um die Uhr erreichen.“ Damit wurde deutlich, dass auch Betriebsratsarbeit wesentlich vom persönlichen Einsatz, vom Zuhören und vom Dienst am Menschen geprägt ist.

Tom Hiltl unterstrich die Bedeutung eines tragfähigen Beziehungsnetzwerks für die Arbeit als Betriebsrat. Seine Aufgabe habe er nur leisten können, weil er von vielen Menschen getragen und unterstützt worden sei. Vertrauen, Zusammenarbeit und verlässliche Beziehungen seien entscheidende Voraussetzungen, um auch schwierige Situationen bewältigen zu können.

Alexander Gröbner stellte die Arbeit von Betriebsräten und Gewerkschaften in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang. Er betonte die Bedeutung einer starken Interessenvertretung der Beschäftigten für eine soziale und demokratische Gesellschaft. Gleichzeitig formulierte er Erwartungen an die aktuelle Bundesregierung, den Sozialstaat zu sichern und notwendige Veränderungen nicht zulasten der sozial Schwächeren umzusetzen. Ein „Kahlschlag im Sozialstaat“ dürfe nicht die Antwort auf die gegenwärtigen Herausforderungen sein.

In der Podiumsdiskussion wurden zahlreiche Schnittpunkte zwischen Arbeitnehmervertretungen und Kirche sichtbar. Beide Seiten kümmern sich um dieselben Menschen und stehen ihnen in unterschiedlichen Lebenssituationen zur Seite – wenn auch aus verschiedenen Blickwinkeln und mit unterschiedlichen Aufgaben. Beide eint der Einsatz für die Würde des Menschen und für menschenwürdige Arbeitsbedingungen.

Auch beim Schutz des freien Sonntags gibt es eine große gemeinsame Überzeugung. Der Sonntag sei mehr als ein arbeitsfreier Tag: Er schenke Raum für Familie, Erholung, Gemeinschaft und Glauben und sei damit ein wichtiger Wert für die gesamte Gesellschaft.

Deutlich wurde zudem, dass sowohl Betriebsräte als auch Pfarrseelsorge Orte des Zuhörens und der Begleitung sind. Menschen können sich mit ihren Sorgen und Nöten an sie wenden und erfahren Unterstützung, Orientierung und Hilfe. Die Diskussion machte sichtbar, dass Kirche und Arbeitnehmervertretungen auf unterschiedliche Weise, aber mit einer gemeinsamen Grundhaltung Verantwortung für den Menschen übernehmen.

Informationen aus dem Bistum

Dekan Michael Hirmer berichtete über das jüngste Treffen der Dekane mit der Bistumsleitung und informierte über aktuelle Entwicklungen aus dem Bistum Regensburg. Dabei stellte er unter anderem Neuerungen bei der Firmspendung vor: Firmgottesdienste sollen künftig grundsätzlich um 10 Uhr beginnen. Außerdem entfällt die bisherige Mindestzahl von 50 Firmlingen pro Firmfeier. Damit erhalten die Pfarreien größere Flexibilität bei der Planung der Firmtermine.

Festlicher Abschluss mit dem Kapitelsamt

Der zweite Teil des Dekanatsjahrestags war das feierliche Kapitelsamt, zu dem neben den Seelsorgerinnen und Seelsorgern auch alle Gläubigen des Dekanats Schwandorf eingeladen waren. Dekan Michael Hirmer dankte zu Beginn besonders der gastgebenden Pfarrei Klardorf mit Pfarrer Markus Meier für die herzliche Aufnahme.

Zu Beginn des Gottesdienstes hielt Christine Schmid eine Statio zur Würde menschlicher Arbeit. Sie lud dazu ein, die Arbeitswelt aus dem Blick des Glaubens wahrzunehmen und die vielen Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, die durch ihre tägliche Arbeit Verantwortung für sich, ihre Familien und die Gesellschaft übernehmen.

Die musikalische Gestaltung des feierlichen Gottesdienstes übernahm der Dekanatschor, in dem Sängerinnen und Sänger aus den verschiedenen Chören des Dekanats gemeinsam musizieren. Unter der Leitung von Dekanatskirchenmusikdirektor Norbert Hintermeier erklang die lateinische Messe von Menschik. Für eine besondere festliche Note sorgten zudem Bläser der Vitus Musikkapelle Burglengenfeld.

Ein besonders bewegender Moment des Gottesdienstes war die Verabschiedung von Pfarrer Hans-Peter Greimel aus der Pfarreiengemeinschaft Leonberg-Pirkensee und von Kaplan Suresh Babu aus der Stadtkirche Burglengenfeld. Pfarrer Greimel tritt seinen Ruhestand an, Kaplan Babu übernimmt künftig die Aufgabe als Pfarrvikar in Irlbach.

Dekan Michael Hirmer würdigte beide Geistliche mit persönlichen Dankesworten und erinnerte an ihren engagierten priesterlichen Dienst. Ein emotionaler Höhepunkt war der gemeinsame Segen: Die Gläubigen breiteten ihre Hände über Pfarrer Greimel und Kaplan Babu aus und baten um Gottes Begleitung und seinen Segen für den weiteren Weg der beiden Priester.

Nach dem Gottesdienst klang der Dekanatsjahrestag bei einem Stehempfang vor der Kirche aus. Begegnung, Gespräch und Gemeinschaft prägten den Abschluss eines Tages, der die Verbindung von Glauben, Kirche und gesellschaftlicher Verantwortung eindrucksvoll sichtbar machte.

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