Osternacht – wenn Christus uns voran geht

„Was bisher geschah …“ – mit diesen Worten begann die Osternacht in der Stadtkirche Burglengenfeld in der Pfarrkirche St. Vitus. Denn der Feier der Auferstehung Christi gehen die Tage von Gründonnerstag und Karfreitag voraus. Tod und Grab stehen auch am Anfang dieser heiligen Nacht, die bewusst in der dunklen Kirche beginnt.

Vor dem Gotteshaus jedoch brannte das Osterfeuer – ein kraftvolles Zeichen der Hoffnung. Mitten in der Finsternis von Tod und Grab leuchtet das Feuer des Lebens, das Gott schenkt. Von ihm wird die Osterkerze entzündet. Ihr Licht durchbricht die Dunkelheit der Kirche und breitet sich nach und nach aus. Es will alle erreichen, erhellen und mit Hoffnung erfüllen.

Diese Hoffnung auf das Leben in Fülle klingt bereits in den Lesungen aus dem Alten Testament an. Schon im Bund Gottes mit seinem Volk Israel wird sichtbar, was in Jesus Christus seine Vollendung findet (Meditationen zu den Lesungen siehe unten).

Mit dem feierlichen Gloria wird die Kirche hell erleuchtet, und das Osterevangelium von der Auferstehung erklingt.

In seiner Predigt betonte Pfarrer Hirmer, dass der Auferstandene unsere Zukunft ist: „Wir wissen nicht, was morgen sein wird. Aber wir dürfen gewiss sein: Christus geht uns voraus. Was auch kommen mag – Freude oder Leid, ja selbst im Tod – der Auferstandene ist schon dort. Und wo er ist, brauchen wir keine Angst zu haben.“

Ein besonderer Höhepunkt der Osternachtsfeier war die Tauffeier. Neben dem Kind Ben empfing auch Maximilian, ein Abiturient, die Sakramente der Taufe, Firmung und Eucharistie. Er hatte sich erst im jungen Erwachsenenalter bewusst entschieden, in die Gemeinschaft der Kirche einzutreten.

Als Erwachsener wurde Maximilian, der sich den Taufnamen Josef wählte, durch Dekan Michael Hirmer im Auftrag von Bischof Rudolf gefirmt.

Am Ende der Feier durfte der Segen für die Osterspeisen nicht fehlen:

Am Ende der Osternacht bedankte sich Pfarrer Hirmer bei allen, die in den österlichen Tagen mitgeholfen und mit gewirkt hatten. Sein besonderer Dank ging an das Team von Mesnerin Astrit Theml, den Lektorinnen und Kommunionhelfern, den Ministranten und den Chören unter Leitung von Kirchenmusiker Hubert Zaindl.

Texte und Meditationen der Osternacht

Einführung vor Beginn der Osternacht

Es war einer der ersten Sonnentage im Park. Viele Menschen waren unterwegs, die ersten Strahlen der Frühlingssonne einzufangen. Doch plötzlich, vor mir auf dem Weg, Geschrei. Ein kleines Kind war hingefallen und begann, vom Schreck des Sturzes herzzerreißend zu weinen. Doch tröstende Hilfe war nahe. Der Großvater beugte sich zu dem Kind hinab, ging in die Knie, tröstete es und nahm es schließlich auf den Arm. Und die Tränen hörten auf zu kullern.
Sich herabbeugen und aufheben ist auch die Bewegung, die wir an den Kar- und Ostertagen feiern werden. In Jesu Leiden und Tod beugt sich Gott ganz tief in unsere Welt, um uns von dort empor zu heben in die Herrlichkeit des ewigen Lebens. Diese Ab- und Aufwärtsbewegung feiern wir in den Gottesdiensten von Gründonnerstag bis Ostersonntag.

Am Gründonnerstag beugt sich Gott in unsere Hilfsbedürftigkeit herab. Die Jünger staunen, Petrus reagiert mit Unverständnis! Ihr Rabbi, ihr Meister, gürtet sich und wäscht ihnen die Füße, ein Sklavendienst. Im Johannesevangelium steht dieser Bericht an Stelle der Abendmahlsworte. Dies will uns sagen: Gottesdienst nicht nur in prunkvollen Liturgien feiern, sondern im alltäglichen Liebesdienst am Nächsten. In der Gründonnerstagsliturgie vom „letzten Abendmahl“ feiert unsere Gemeinde die sich herabbeugende Liebe Gottes, die wir bei der Feier des Gottesdienstes und im Dienst am Nächsten erfahren.
Gott beugt sich weiter herab: In unsere Angst, in unsere Einsamkeit! Die Gründonnerstagsliturgie geht nahtlos über in das verzweifelte Beten Jesu am Ölberg: „Herr lass diesen Kelch an mir vorübergehen! – Aber dein Wille geschehe.“ Der Altarraum ist leer, der Tabernakel ausgeräumt, der Altar entblößt. – In Angst und Einsamkeit ist oft nichts mehr, woran wir uns festhalten können: Alles ist leer! Nur Jesu Schrei nach Gott trägt und begleitet uns in den Anbetungen durch die Nacht.

Und Gott beugt sich noch weiter. Ins scheinbare Nichts des Todes. Das Kreuz war das Zeichen, an dem ein von Gott Verfluchter starb. Ein Nichtswürdiger, ein Niemand; einer, der schon im Leben tot war, von Gott und den Menschen abgeschnitten. Dies will uns sagen: Gott ist auch da, wenn alles leer ist im Leben, nichts mehr ist, einfach tot und vergessen, keine Zukunft, aus. – Die Kirche feiert dieses absolute Hinabbeugen Gottes in das Nichts des Todes mit der schlichten Karfreitagsliturgie. Sie endet still, es ist aus und vorbei. Gott am Tiefpunkt, am Ende. Karsamstag ist Funkstille.

Funkstille herrscht auch noch zu Beginn der Osternachtsfeier. Die Kirche ist dunkel, kein Licht. Doch langsam, ganz langsam keimt Hoffnung …

Meditation nach der 1. Lesung (Gen 1,1-2,2)

„Es werde Licht.“,
Und das Licht durchbrach die Finsternis.
So beginnt die Bibel – und so beginnt auch diese Nacht.

Denn auch heute hören wir:
Gott schafft Neues.
Nicht nur am Anfang der Welt,
sondern mitten in unserer Geschichte.

Wo Dunkel ist, spricht Gott sein Licht.
Wo Chaos ist, schafft er Ordnung.
Wo Leere ist, schenkt er Leben.

In der Auferstehung Jesu Christi geschieht genau das:
Eine neue Schöpfung beginnt.

Das Grab ist dunkel wie die Nacht am Anfang.
Doch Gott spricht wieder sein schöpferisches Wort:
Leben statt Tod.
Hoffnung statt Verzweiflung.
Licht statt Finsternis.

Und wie am ersten Tag der Schöpfung
vertreibt dieses Licht die Nacht –
nicht laut, nicht gewaltsam,
sondern leise und unwiderstehlich.

Die Auferstehung ist kein fernes Wunder.
Sie ist Gottes Zusage an uns:
Auch in deinem Leben kann Neues entstehen.
Auch deine Dunkelheit ist nicht das letzte Wort.

Gott, der am Anfang sprach: „Es werde Licht“,
spricht auch heute zu uns:
„Es werde Leben.“

Meditation nach der 2. Lesung (Ex 14,15-15,1)

Das Volk Israel steht vor dem Wasser.
Hinter ihnen die Angst.
Vor ihnen das Meer.
Kein Weg – nur Ausweglosigkeit.

Und doch spricht Gott:
„Fürchtet euch nicht.“

Das Meer, das trennt, wird zum Weg.
Das Wasser, das bedroht, wird zur Rettung.
Mitten durch die Tiefe führt Gott sein Volk ins Leben.

Diese Osternacht erzählt dieselbe Geschichte neu.
Auch am Grab Jesu scheint alles zu Ende:
Hoffnung versunken, Zukunft verschlossen,
wie hinter einer Mauer aus Wasser.

Doch Gott handelt.
Wie er einst das Meer geteilt hat,
so öffnet er nun das Grab.
Wie er sein Volk hindurchführt,
so führt er Christus durch den Tod ins Leben.

Die Auferstehung ist der neue Durchzug:
nicht durch Wasser,
sondern durch die Dunkelheit des Todes.
Und wie Israel am anderen Ufer steht – frei –
so steht Christus am Ostermorgen: lebendig.

Diese Geschichte gilt auch uns:
Es gibt Wege, wo wir keine sehen.
Es gibt Leben, wo wir nur Ende vermuten.

Gott führt hindurch.
Durch Angst.
Durch Dunkelheit.
Durch den Tod.

Und auf der anderen Seite wartet das Leben.

Meditation nach der 3. Lesung (Jes 55,1-11)

Gott lädt ein –
ohne Preis, ohne Vorleistung,
einfach so: zum Leben.

„Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser.“
Mit diesem Ruf beginnt die Verheißung.
Ein Ruf in eine Welt, die oft leer ist,
in Herzen, die suchen und nicht satt werden

In dieser Nacht hören wir diesen Ruf neu.Denn in der Auferstehung Jesu Christi
wird er Wirklichkeit:
Gott schenkt Leben – umsonst.

Was wir uns nicht verdienen können,
was wir uns nicht kaufen können,
das gibt er uns:
Vergebung, Hoffnung, Zukunft.

Gottes Versprechen kehren nicht leer zurück.
Es erfüllt, was er sagt:
Leben entsteht.

Und so spricht Gott auch heute zu uns:
Kommt.
Trinkt.
Lebt.

Denn Christus ist auferstanden –
und mit ihm beginnt für uns
ein neuer Anfang.

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